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Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde Senne

Quasimodogeniti

Bild von dozemode auf Pixabay

Liebe Christinnen und Christen in der Senne.

Ostern liegt vor uns, so las ich es vor kurzem in einer theologischen Zeitschrift. Ostern liegt vor uns? Moment mal - letzte Woche haben wir Ostern gefeiert, also liegt Ostern doch nicht vor uns.

Waren die Feiertage auch erfüllt, so hat uns doch schon am Dienstag der Alltag wieder eingeholt. Im Radio, in der Tageszeitung, in den Nachrichten lesen und hören wir doch schon längst wieder das allgegenwärtige Thema: Pandemie. Und die Folgen für jeden Einzelnen von uns. „Wie soll das alles weitergehen?“ fragen nicht wenige.

Haben wir die Worte von Ostern noch im Ohr oder im Herzen? „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“, sagen die Boten in den Evangelien den Frauen am Grab.

Danach hatte der auferstandene Christus sich Ihnen gezeigt. Mehrmals. Er lebt. Aber er ist anders. Maria, die ihn erkennt, sagt er: „Rühr mich nicht an“. Was mag sie bei diesem Wort empfunden haben? Wie soll es weitergehen, wenn Jesus nicht mehr wie früher den Weg vorausgeht, predigt, heilt? Wie soll es weitergehen nach Ostern? Für die Jüngerinnen und Jünger damals. Bleibt der Osterglaube auch dann lebendig, wenn die Jünger und Jüngerinnen ihren Meister nicht so recht wiedererkennen? Bleibt der Osterglaube bei uns lebendig, wenn die Sorgen uns wieder einholen und den nächtlichen Schlaf rauben?

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext gibt uns Hilfe, wie wir die Auferstehungshoffnung leben können, mitten in unserem mühseligen, einsamen und manchmal hoffnungslosen Alltag: Als Predigttext für den heutigen Sonntag nach Ostern hören wir auf die Worte aus dem Johannesevangelium Kapitel 21, auf die Verse 1-14. Im Predigttext begegnen wir einigen Jüngern wieder. Nun sind sie aber nicht mehr in Jerusalem, sondern sie sind inzwischen in ihre Heimat, nach Galiläa zurückgekehrt. Sie sind zuhause am See Genezareth, so wie damals, bevor ihnen Jesus zum ersten Mal begegnet war. Sie waren wieder zuhause nach dem Osterfest in Jerusalem.

Der Evangelist schreibt:
Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch den Fisch. Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

 

Hier am See Genezareth hatte das alles angefangen. Und was war das für eine Zeit gewesen, die sie mit Jesus verbracht hatten! Unglaubliches hatten sie erlebt, mehr als sie auf einmal fassen und verstehen konnten. Und nun? Im Predigttext wird uns zunächst erzählt, dass die Jünger in ihren Alltag zurückkehrten. Das Leben musste ja weitergehen, der Lebensunterhalt erworben werden. "Gehen wir fischen", sagt Petrus. Arbeit kann eine gesunde Medizin für Kopf und Gemüt sein, für verwirrte Gedanken und Gefühle. So steigen die Jünger ins Boot, ganz so wie früher. Der See ist noch derselbe, vielleicht auch das Boot und das Netz. Die Handgriffe sitzen noch, gelernt ist gelernt. Und dass sie am Morgen schließlich mit leerem Netz ans Ufer kommen, nun, das gab es früher auch schon. Früher, das heißt, bevor Jesus in ihr Leben getreten war. Und an jenem Morgen hätte man meinen können: alles ist wie früher. Die Existenzangst, wenn die Netze leer blieben, der tägliche Überlebenskampf. Darin unterscheiden wir uns heute nicht von den Jüngern damals. Wie oft habe ich in dem letzten Jahr gehört: „wenn das so weitergeht, können wir unser Geschäft schließen“. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Die Mitarbeitenden in Kurzarbeit. Das frustriert, lässt die Hoffnung schwinden. Damals wie heute.

Doch so wie die Jünger damals halten wir am Gewohnten fest. Fischen damals, heute das Geschäft aufräumen, die Winterware wegpacken oder verramschen. Den Alltag trotz Einschränkungen leben. Dem Alltag eine Struktur geben, das ist für viele von uns ganz wichtig, auch wenn unser Alltag unterschiedlich aussieht. Die alltägliche Routine gibt Sicherheit.
Das ist verständlich. Aber so übersehen wir, dass es auch andere, ungeahnte Lebensmöglichkeiten gibt.

Mit den ungeahnten Lebensmöglichen hatten die Jünger am See Tiberias, am See Genezareth gar nicht mehr gerechnet. Ihre Netze sind leer. Der Versuch, das alte Leben von früher aufzunehmen, misslingt. Sie können nicht in den gewohnten Alltag zurück. Nicht nach der Ostererfahrung. Die Auferstehung gehört nicht zu ihrer Vergangenheit, sie geht weiter, sie liegt vor ihnen.

Der Auferstandene steht am Ufer. Er wartet auf sie. Im Glanz der aufgehenden Sonne wartet er auf seine Freunde. Und so wie das Morgenlicht die Dunkelheit der Nacht vertreibt, so zeigt er ihnen den Weg, mitten in ihrem Alltag.

Er ermutigt sie und sagt: „werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werden ihr finden“. Was für eine Anweisung. Jeder weiß, dass Fische nur in der Nacht ins Netz gehen. Aber als die Jünger seinen Anweisungen folgen, sind die Netze randvoll. Überreich sind sie beschenkt. Und sie erkennen den Auferstandenen: „Es ist der Herr“.

Übertragen heißt das für mich: Der Auferstandene wartet auf uns. Er wartet auf uns, wenn es uns nicht gelingt, unsere Netze zu verlassen und mutig ins Leben zu gehen. Er wartet auf uns, wenn wir vor Kummer, Enttäuschungen, Unzufriedenheit und Sorgen uns im Kreis drehen und will uns neue Wege zeigen.

Die enttäuschten Fischer hören auf sein Wort und werfen die Netze noch einmal aus. Und sie werden im Hören auf sein Wort mit gefüllten Händen dastehen, getröstet, ermutigt. Wie weggefegt ist die Niedergeschlagenheit, sie durchströmt neue Zuversicht. Sie stehen auf, mitten im Alltag. Ostern liegt wirklich vor uns: unser Leben wird beschenkt und gefüllt sein für alle, die auf sein Wort hören.

Sein Wort will uns auch heute den Weg zu gefüllten Netzen führen. Das ist manchmal eine Abkehr von gewohnten Bahnen. Im Vertrauen auf sein Wort tun sich neue Wege auf. Wird es auch unser Leben erfüllter, hoffnungsvoller machen, wenn wir geduldig miteinander sind und barmherzig, wenn wir bescheidener und aufmerksam miteinander leben? Heute und später, wenn der endlose lock down, die AHA-Regeln und so vieles mehr, endgültig vorüber sind? Oder gehen wir in den alten Bahnen weiter? Schaffen wir es, unseren bisherigen Lebensstil grundsätzlich zu überdenken?

Ja. – das ist die Antwort auf Ostern. Ja, es wird sich Segen zeigen, gefüllte Netze, wie bei den Jüngern: Staunen, Freude, Sattwerden und Wegweisung.

Wie das aussehen kann habe ich vor Wochen erlebt. Ich traf einen alten Bekannten wieder. Ich fragte ihn nach seiner Arbeit, er war Angestellter in einem mittelgroßen Unternehmen. „Da bin ich nicht mehr“, erwiderte er. Verwundert sah ich ihn an. „Gekündigt?“, fragte ich. „Nein“, sagte er, „ich habe etwas anderes gefunden. Der stetige Druck, die ständige Bereitschaft und das Betriebsklima haben mich ermüdet. Ich musste mich zur Arbeit zwingen. Eigentlich, sagte er ganz langsam, habe ich jahrelang gegen meine Bestimmung gelebt“.

„Und? Was machst Du jetzt“, fragte ich erstaunt. „Jetzt fahre ich jeden Tag morgens ehrenamtlich behinderte Kinder zu ihren Anwendungen und hole sie nachmittags wieder ab“. Er lachte mich an. „Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das erfüllt“. Das Strahlen der Kinder, die schon morgens meinen Namen rufen, die fröhliche Ankunft, das Lachen im Bus“ und so viel mehr, haben mein Leben ganz neu bereichert, erfüllt und mich zufrieden gemacht. Schau mal und er holte eine schon etwas mitgenommene Karte aus der Innenseite seiner Jacke. Ich sah sie an und las: Jesus Christus spricht: was ihr diesem meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ „Und Schwestern“, sagte ich lachend, als wir uns trennten.

Als ich ging, dachte ich: ja, das ist Ostern. Auferstehung mitten im Alltag. Deshalb lasst uns Ostern feiern. Heute, morgen, Tag für Tag. Nicht zufällig steht der Auferstandene am Morgen am See Genezareth. Leben wir unser Leben von Ostern her, kann unser ganzes Leben ein solcher Morgen sein: ein vertrauensvolles, erwartungsvolles Hineingehen in die Tage unseres Lebens, in den Alltag der Welt, wie auch immer er gerade aussehen mag.
Amen.

 

Lasst uns beten:

Beten wir in der Stille zu Gott, der uns in ein neues Leben ruft:
Himmlischer Vater, du hast Jesus von den Toten auferweckt
und ihn zum Herrn gemacht. Erfülle unsere Herzen mit Hoffnung
und Freude durch ihn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
und Leben schenkt, heute und in Ewigkeit.
Amen

Bleiben Sie gesund und behütet.

 

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Sigrid Fillies-Reuter

Sie können sich hier den Andachtstext anhören, gesprochen von Pfr.in Fillies-Reuter

Die Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Lukas 6,36